museum-digitalniedersachsen

Close

Search museums

Close

Search collections

Museum August Kestner Gefäßkeramik (Vasen)

Gefäßkeramik (Vasen)

Sammlung antiker Gefäßkeramik

[ 20 Objects ]

Auf dem Weg zum Parisuteil - Flucht aus Troja (Amphora)

A-Seite: Hermes, Hera, Athena und Aphrodite (v.r. n.l.). B-Seite: Aeneas trägt seinen Vater Anchises. (AVS)

Ehem. Sammlung August Kestner, Rom

Auf dem Weg zum Parisuteil - Flucht aus Troja (Amphora)

Komos, Musik und Tanz (Krater)

Dieses Weinmischgefäß (Krater) steht stellvertretend für die herausragende Sammlung griechischer und unteritalischer Gefäßkeramik von der späten ägäischen Bronzezeit (um 1600 v. Chr.) bis 3. Jh. v. Chr.
Beide Gefäßseiten zeigen einen Komos, d.h. den feucht-fröhlichen Umzug nach einem Gelage. A-Seite: In Mitte Flötenspieler, mit Mantel bekleidet; vor ihm liegt Spitzamphora und lehnt ein Stock. Nach rechts tanzt ein Jüngling; er wendet sich zurück und hält eine Oinochoe und Skyphos. Hinter Flötenspieler weiterer Jüngling, ebenfalls tanzend und mit Skyphos in der Hand. B-Seite: In Mitte nach rechts Flötenspieler, mit Himation bekleidet. Vor ihm tanzt nackter Jünglings; links weiterer Jüngling mit Weinschlauch und Skyphos.
Der Leningrad-Maler ist ein bedeutender Vasenmaler der sog. Manieristen innerhalb der griechischen Vasenmalerei des 5. Jhs. v. Chr. Qualitätvolle, filigran-detailreiche Zeichnungen prägen diese Malergruppe. (AVS)

Komos, Musik und Tanz (Krater)

Alabastron (Salbgefäß)

Für etwa fünf Jahrhunderte dominierte das minoische Kreta den ägäischen Raum. Diese Inselgesellschaft war so gefestigt, dass sie um 1800 v. Chr. die Erdbebenzerstörung der ersten Paläste schnell überwand und neue Palastzentren in Knossos, Phaistos und Mallia entstanden. Der Vulkanausbruch von Thera (um 1613 v. Chr.) leitete für Kreta eine Krisenperiode ein, die in der gewaltsamen Zerstörung der Neuen Paläste ihren Höhepunkt fand. Nur der Palast von Knossos blieb von dieser Zerstörungswelle verschont. Nach dem Wiederaufbau der kretischen Paläste erreichte die minoische Kultur ihren kulturellen und wirtschaftlichen Zenit. Es ist die glanzvolle Epoche Kretas, die in späteren Erinnerungen mit dem mythischen König Minos von Knossos und dessen Herrschaft über das Ägäische Meer verbunden wurde. In dieser Zeit ist dieses Salbgefäß entstanden. (AVS)

Ehem. Sammlung Erhart Kästner, Wolfenbüttel

Alabastron (Salbgefäß)

Hockender Affe (Salbgefäß)

Dieses Objekt gehört zur Gruppe figürlicher Salbgefäße in Affengestalt, die im 6. Jh. v. Chr. in Etrurien entstand. Der hohle Affenkörper enthielt Salböl, der kleine henkellose ‚Schminktopf’ Bleiweiß, das ‚Make up’ der Antike.
Affen bzw. Darstellungen von Affen sind ein durchaus nicht seltener Anblick in der etruskischen Kunst, auch wenn sie nicht zu den heimischen Tierarten gehörten. Berühmt ist die Darstellung eines hockenden Affen, der einen Wettkampf beobachtet, im sog. Grab des Affen in Chiusi. Bereits in der Antike wurden sie als exotische Haustiere von Mitgliedern der Oberschicht gehalten.
Die Affenähnlichkeit des Menschen wird in der antiken Kunst diffamierend genutzt, welche dadurch Hohn und Spott hervorrief. Der tierische ‚Verwandte’ des Menschen ‚äfft‘ vieles nach; so könnte der sich schminkende Affe als mahnendes Beispiel dienen, es mit der ‚Anpinselei’ nicht zu übertreiben. (AVS)

Ehem. Sammlung August Kestner, Rom

Hockender Affe (Salbgefäß)

Behelmter Kopf (Salbgefäß)

Besonders bekannt für die Herstellung von kleinformatigen figürlichen Salbgefäßen waren Werkstätten auf der Insel Rhodos. Auch dieser Aryballos ist dort entstanden. Der Krieger trägt einen ionischen Helm mit Nackenschutz, Stirnzier und Wangenklappen. Auf der Stirnzier ist eine kurze Palmette eingeritzt, eingefaßt von einer Volutenranke. Auf der Kopfkalotte befindet sich der Ausguß mit einem dünnen abgekanteten Mündungsteller auf kräftigem zylindrischen Hals. (AVS)

Ehem. Sammlung August Kestner, Rom

Behelmter Kopf (Salbgefäß)

Mastoid, zweihenkeliger Becher

Der Mastos war in der spätarchaischen Zeit ein in Athen sehr beliebtes Trinkgefäß. Er hatte die Form der weiblichen Brust. Es besaß, da es spitz zulief, keine Standfläche. Der Mastoid greift die Form im Wesentlichen auf, kann aber stehen.

A- und B-Seite: Zwischen zwei großen Augen unter geschwungenen Brauen sitzt auf einem Klappstuhl ein Mann nach rechts, bekleidet mit Chiton und Mantel, eine Tänie im Haar. In der Linken hält er einen Stab. (AVS)

Ehem. Sammlung August Kestner, Rom

Mastoid, zweihenkeliger Becher

Apollon (Halsamphora)

A: Apollon in langem Ärmelchiton und Himation, Köcher und Bogen auf dem Rücken. Auf der siebensaitigen Kithara spielend. Altar, rechts daneben eine Frau in Chiton und Himation, mit Bogen. Links hinter Apollon zweite Frau. - B: Apollon auf einem Klappstuhl sitzend stimmt die Kithara. Vor und hinter ihm zwei stehende Frauen. Es handelt sich bei den Frauen auf A und B jeweils um Artemis und Leto.

Ehem. Sammlung August Kestner, Rom

Apollon (Halsamphora)

Halsamphora im geometrischen Stil

Nach dem Untergang mykenischen Kultur auf dem griechischen Festland erholten sich erst mit Beginn des 9. und 8. Jahrhunderts v. Chr. Kultur, Wirtschaft und Technik. Diese Phase der griechischen Kunst und Kultur wird von der Wissenschaft ‚Geometrische Zeit‘ genannt. Sie leitet sich aus den auf den Keramikgefäßen dieser Zeit verwendeten geometrischen Dekoren ab, die nach der freieren Gestaltung der mykenischen Zeit Kreise, Zickzackmuster, Dreiecke, Rauten, Strichgruppen und Schachbrettmuster in rhythmischer Abfolge verwendet.
Ab etwa 800 v. Chr. wurde diese Gestaltungsform der Muster durch die Aufnahme figürlicher Motive – äsende Tiere, Krieger oder Wagenfahrten, wie auf dieser Amphora – aufgebrochen. Die Darstellung kan in zweierlei Richtung gedeutet werden: Wagenrennen mit unbewaffneten Wagenlenkern bei Leichenagonen oder Wagenumzug.

Diese Halsamphora ist das Leitstück der Werkstattliste der Gruppe 'Athen 894'. (AVS)

Halsamphora im geometrischen Stil

Frauen bei der Obsternte

Obsternte ist das Thema dieses Vasenbildes. Ein zweigeteilter Stamm breitet seine belaubten zu Spalieren geformten Äste über das Bildfeld. Zwei Mädchen klettern an ihm hoch, links steht ein Korb.
Leider uneindeutig ist die Wiedergabe der Früchte, manches spricht für Wein. Allerdings lassen die Darstellung eher an Spalierobst und weniger an Weintrauben oder gar Oliven denken. Für die Deutung als Äpfel spricht die Überlieferung der Vasenbilder mit Männern und Frauen bei landwirtschaftlicher Tätigkeit. Bei der Olivenernte sind in der Regel Männer dargestellt. Auch stellen Szenen mit Frauen im Obstgarten oder bei der (Apfel-) Ernte einen festen Bildtypus dar. Die Unbeschwertheit der Mädchen und die sorgfältige Kleidung bei dieser Tätigkeit verweisen auf einen erotisch-hochzeitlichen Kontext: Garten und Früchte als Liebessymbole. (AVS)

Ehem. Slg. Erhart Kästner, Wolfenbüttel

Frauen bei der Obsternte

Aufbewahrungsbehältnis für aromatische Öle (Exaleiptron)

Exaleiptra sind Behältnisse vornehmlich für aromatische Öle, Salben und Duftstoffe, mit denen sparsam umgegangen werden musste. Zu denken ist bei dem Gefäßinhalt an Badeöl oder flüssige Seife, die durch Tupfen dem Becken entnommen werden konnte. Zahlreiche attisch rotfigurige Vasenbilder überliefern die Verwendung von Exaleiptra in Frauengemachszenen. Exaleiptra haben auch im Totenkult eine Rolle gespielt wie z.B. Vasenbilder weißgrundiger Lekythen bezeugen. (AVS)

Ehem. Sammlung Erhart Käster, Wolfenbüttel

Aufbewahrungsbehältnis für aromatische Öle (Exaleiptron)

Salbgefäß in Form eines Hahns (Aryballos)

Das uns heute als Nutztier vertraute Huhn stammt ursprünglich von Wildtierrassen aus Südasien ab. Über Indien und China verbreitete sich das Haushuhn um etwa 1200 v. Chr. bis nach Vorderasien in die Region des heutigen Iran. Kulturkontakte der Griechen mit den in Anatolien ansässigen Bevölkerungsgruppen führten dazu, dass das Huhn im 6. Jh. v. Chr. auch in Griechenland und auf Sizilien heimisch wird.
Seit dieser Zeit spielt der gerade der Hahn ein besondere Rolle, vermittelt durch die beliebten Hahnenkämpfe. Kampfhähne symbolisierten den Siegeswillen, den jeder Soldat oder Teilnehmer von Sportwettkämpfen zeigen sollte. Besonders nach den Perserkriegen gehörten Hahnenkämpfe zu den gesetzlich festgeschriebenen Veranstaltungen im Dionysostheater in Athen. Die jungen wehrfähigen Männer waren verpflichtet, diesen Spielen beizuwohnen. Daher finden sich sehr häufig auch Darstellungen von Hähnen auf den sog. Panathenäischen Preisamphoren.
Vor allem auf der Insel Rhodos, wo dieses Salbgefäß hergestellt wurde, wurden die für Wettspiele benötigten Kampfhähne gezüchtet.
Aufgrund seiner physischen Eigenschaft durch Krähen den nahenden Sonnaufgang anzukündigen, galt der Hahn im persischen Kulturkreis als Symboltier der Lichtgottheit, die mit Hermes gleichgesetzt werden kann. (AVS)

Ehem. Sammlung August Kestner, Rom

Salbgefäß in Form eines Hahns (Aryballos)

Dionysisches Treiben (Glockenkrater)

Mänaden gehören als Begleiterinnen zum Zug des Dionysos, aber auch zum Kultpersonal für den Weingott. – Der Bochum-Maler steht stilistisch dem Schulman-Maler nahe, dessen ‚Handschrift‘ sich an den Gewandsäumen am Mantelüberschlag seiner Rückseiten-Jünglinge festmachen lässt.
Die apulische Vasenmalerei, die zwischen 430 und 300 v. Chr. eine Führungsposition innerhalb der unteritalischen Vasenmalerei innehatte, ist eine der produktivsten ihrer Zeit. Hauptherstellungszentrum war Tarent. (AVS)

Ehem. Sammlung Georg Wilhelm Rebock, Hannover

Dionysisches Treiben (Glockenkrater)

Phlyaken-Spiel (Glockenkrater)

„Strotzen“ – darum ging es in einer besonderen Form des Lustspiels, das als Phlyaken-Spiel bekannt ist. Die Herleitung des Begriffs Phlyax (altgr. Φλύακες) vom griechischen Wort φλέω (phléo, strotzen) bezieht sich auf Dionysos, der nicht nur für den Wein, sondern auch das Theater zuständig war. Denn ein alter Beiname des Dionysos eben war Phleon.
Ziel und Amusement des Phlyaken-Spiels war es, sich u.a. über die allzu menschlichen Schwächen der Götter lustig zu machen, wie etwa über deren Fehltritte. So verspotteten Schauspieler, ausgestattet mit üppigen Phallus-Attrappen, hässlichen Masken und zotteligen Gewändern, Hermes oder Zeus wegen ihrer zügel- und oft nicht folgenlosen Liebesabenteuer.
Insbesondere in der unteritalischen Vasenmalerei hat sich das Genre der Phlyaken-Szenen niedergeschlagen. (AVS)

Ehem. Sammlung Georg Wilhelm Rehbock, Hannover

Phlyaken-Spiel (Glockenkrater)

Paris umwirbt Helena (Kalpis)

Im Streit darum, wer die schönste unter den Göttinnen sei, wählt der troianische Prinz Paris Aphrodite. Sie belohnt ihn dafür mit der schönsten Frau der Welt, Helena, der Gattin des spartanischen Königs Menelaos. Auf Weisung Aphrodites baut Paris eine Flotte und reist nach Sparta. Beim Gastmahl am Hofe erblickt Paris Helena zum ersten Mal und bedenkt sie mit Geschenken – wie auf der Kalpis zu sehen ist. Die Flucht der beiden nach Troia löst den zehn Jahre währenden Krieg aus.
Ein scheinbar alltäglicher Gebrauchsgegenstand, mit dem vielleicht seine einstige Besitzerin zum Wasserholen an den Dorfbrunnen ging, wird zur Projektionsfläche allbekannten Sagengutes. Unter Paris Geschenken befindet sich eine Hydria. Sie ist als Hinweis auf die bevorstehende Flucht und anschließende Hochzeit der beiden Verliebten zu deuten, da Hydrien und Kalpiden beliebte Brautgeschenke waren. Sie enthielten das für das rituelle Brautbad benötigte Wasser. (AVS)

Ehem. Sammlung August Kestner, Rom

Paris umwirbt Helena (Kalpis)

Küchengefäß (Olla)

Als Bestandteil des etruskischen Hausrates darf die runde, kugelige Olla dem Küchenbereich zugeordnet werden. Sie wird als Aufbewahrungsbehältnis für Flüssigkeiten oder auch Getreide gedient haben.
Die Olla ist der mit dem modernen Begriff ‚Impasto’ umschriebenen Keramikgattung zuzuweisen, die besonders während der Villanova-Kultur (10./9. Jh. v. Chr.) und der etruskischen Kultur des 8. Jahrhunderts v. Chr. Verwendung fand. Der rote Impasto stellt bereits die jüngere Form dieser Keramik dar; auch ist das Gefäß im Gegensatz zu den früheren schwarzen Impasto-Gefäßen der Villanova-Zeit bereits auf der Töpferscheibe gefertigt, die bei entsprechender Beherrschung durch den Töpfer einen gleichmäßigen Aufbau des Gefäßkörpers ermöglicht und zu harmonischen Formen führt. (AVS)

Küchengefäß (Olla)

Herakles und der Nemeische Löwe (Bauchamphora)

Auf Befehl der Göttin Hera und im Dienste des Königs Eurystheus muss Herakles eine nahezu unüberschaubare Anzahl von Taten vollbringen. Damit will sich Hera an Zeus rächen, der in einem Seitensprung mit der Sterblichen Alkmene Herakles gezeugt hat.
Zu den so genannten kanonischen, den 12 wichtigsten im Zentrum seines Mythos stehenden Taten gehörte der Kampf mit dem Nemeischen Löwen. Dieses Abenteuer bestand der Held als erstes noch im jugendlichen Alter. Es bescherte ihm das Fell des unverwundbaren Löwen, das eines seiner ‚Markenzeichen’ werden sollte. Da Messer oder Dolche wirkungslos waren, erwürgte Herakles das Tier.
Die Herakles-Darstellung der Amphora zeigt diesen Kampf, allerdings in einer in der Literatur nicht überlieferten Kombination von Ringkampf und Schwerthieb. (AVS)

Herakles und der Nemeische Löwe (Bauchamphora)

Sackkanne (Askos)

Der Askos – auch „Sackkanne“ genannt – wird in seiner ursprünglichen Form vom Weinschlauch aus Leder abgeleitet. Der Begriff bezeichnet allgemein ein geschlossenes Gefäß mit Bügelhenkel und Tülle, das aufgrund der weich fließenden Kontur deutlich an sein Vorbild erinnert, das seine Form letztendlich erst im gefüllten Zustand erhält. Die sechs umlaufenden Zonen gliedern den Gefäßkörper. Ornamentbänder – ‚Laufender Hund’ und diverse Wellenlinien – zeichnen die sanft geschwungene Form des Gefäßkörpers nach.
Typologisch gehört der Askos zur Listata-Keramik, die wohl in der Umgebung entlang des Ofanto-Tals, der heutigen Grenze zwischen den Provinzen Foggia und Bari, entstanden ist.
Diese Keramik, benannt nach den horizontalen Dekorbändern, ist eine Weiterentwicklung der ‚süd-daunischen’ und markiert zugleich das Ende der einheimischen süditalischen Keramik. Ihr folgen rein griechische Gefäßformen und Maltechniken in das untertalische Gefäßrepertoire. (AVS)

Sackkanne (Askos)

Villanova-Urne

Wahrscheinlich aus einer Töpferwerkstatt im antiken Tarquinia stammt ein Gefäß, das für den Laien auf den ersten Blick nicht mit den Etruskern in Verbindung zu bringen ist, die man durch die reich ausgemalten Grabkammern, die Alabaster- und Tonurnen zu kennen glaubt. Die sog. Villanova-Urne – handgemacht, bikonisch geformt und mit geometrisch eingeritzen Strichmustern versehen - stammt aus der Phase der italischen Geschichte, als der Prozess der Herausbildung einer als Etruskisch zu nennenden Bevölkerung abgeschlossen ist. Diese Kultur, die bis zum Ende des 8. Jhs. v. Chr. in Etrurien herrscht, ist benannt nach einem Fundort Villanova in der Nähe von Bologna.
Bergbau und eine hochstehende Metallverarbeitung sind charakteristisch für diese Kultur. Der archäologische Befund ist voll von Bronze- oder Eisenobjekten dieser Zeit, Verarbeitungszentren wie Gießereien und Metalldepots weisen auf eine hervorragend funktionierende Metallindustrie hin. Der Metallreichtum der frühen Etrusker ist buchstäblich und seine Auswirkungen strahlen bis in die frühe Neuzeit hinein: Im Jahr 1546 beglich die Stadt Corneto (Tarquinia) einen Tribut an den Papst, in dem sie 6000 Pfund antike Metallgegenstände ablieferte. Eingeschmolzen wurden diese verwand, um die Säulen der Basilika San Giovanni in Laterano in Rom mit Bronze zu überziehen.
August Kestner zeigt mit der Wahl eines Gefäßes dieser Art, dass er nicht der Sammler war, dem es weniger um Schönheit und prunkvolle Gestaltung bei den Objekten seines Interesses ging als vielmehr um historische, archäologische oder kulturelle Zusammenhänge, die abgesehen hatte. Auch wenn wir keinerlei schriftliche Äußerungen über den Impetus für den Erwerb eines derartigen Objektes bei ihm finden, dürfen wir davon ausgehen, dass er sich der Bedeutung und der Geschichte, die eine Urne dieser Zeit zu vermitteln hat, bewußt gewesen ist.

Villanova-Urne

Fragment einer Schale

Dieses Schalenfragment ist ein Beispiel für die von der modernen Forschung als Terra Sigillata (TS) bezeichnete römische Feinkeramik. Charakteristisch sind die sehr hochglänzende rote Oberfläche sowie die Kennzeichnung der Gefäße mit Namensstempeln der herstellenden Töpfer(eien), in diesem Fall der Fabrikantenstempel CERIALIS.
Um 40 v. Chr. wurde TS für Tafelgeschirre außerordentlich beliebt und trat vom Westen des römischen Reiches aus seinen Siegeszug an. Die Stadt Arretium (Arezzo) war einer der Hauptproduktionsorte, so dass TS häufig auch als Arretina bezeichnet wird. Die zunächst vorherrschende Schwarzfirnis-Keramik wurde durch sie fast völlig verdrängt. Die rote Farbe entstand durch oxydierenden Brand.
Die Gefäße selbst, die ein breites Formenspektrum aufwiesen, wurden auf der Töpferscheibe und unter Verwendung von Formschüsseln hergestellt. Abschließend verzierten die Töpfer die Gefäße mit Stempelmustern oder Reliefappliken. (AVS)

Ehem. Sammlung Friedrich Culemann, Hannover

Fragment einer Schale

Choenkännchen

Das Choenkännchen, abgeleitet von chous (Kanne), ist eine kleine, gedrungene Kanne mit einer Kleeblattmündung. Diese Kannen im Miniaturformat spielten eine besondere Rolle beim sog. Choenfest, bei dem sie an Kleinkinder verschenkt wurden. Daher sind auf dem Gefäßkörper sehr häufig auch Kleinkinder bei unterschiedlichen Aktivitäten dargestellt.
Das Kind in dieser Darstellung stützt sich mit den Händen auf einen Schemel. Davor steht ein niedriger Kegel. Vor seinen Knien erkannt man ein plastisches vergoldetes Kügelchen. Ein ebensolches Kügelchen (Amulett) hängt an einer Schnur auf dem Oberkörper des Kindes. Der Kopf- und Armreif sowie der Fußring sind vergoldet.

Das Choenfest - Kannenfest oder Trinkfest - wurde im Rahmen der Anthesterien gefeiert und fand am zweiten Tag statt. Aus diesem Anlas bekamen vor allem Dreijährige erstmals ihren eigenen Krüge geschenkt. Dieses galt eine Art Initiationsritus, da man glaubte, dass aufgrund der hohen Sterblichkeit im Säuglings- und Kleinkindalter die Kinder mit drei Jahren die größten Gefahren überstanden hatten. (AVS)

Choenkännchen